14/05/12
Karl May und Indianer-Spiele in Lauf
Anläßlich des 100. Todestages von Karl May hat die Stadtbücherei Lauf mit ihren sehr engagierten Bibliothekarinnen Frau Hafer-Drescher und Frau Grabmeier eine Veranstaltungsreihe organisiert, an der teilzuhaben ich als Vortragender und Autor die Ehre hatte.
Es läßt sich gewiß vieles an Karl May kritisieren, die Vermittlung von Klischeebildern beispielsweise; andererseits lobt der kritische Schriftsteller Rafik Schami ausgerechnet Karl May mit den Worten, "Bei Allah, dieser Karl Ben May hat den Orient [...] mehr verstanden als ein Heer heutiger Journalisten, Orientalisten und ähnlicher Idiotisten"*.
Und tatsächlich ist Karl May so vieles zuzuerkennen: Daß er einer der prägenden Schriftsteller bis in unsere Zeit gewesen ist; daß seine blumige, überbordende Sprache auf ihre Art gewaltig und beeindruckend ist; daß er, woran selbst sogenannte "große" Schriftsteller unsere Zeit nur allzu oft vergeblich streben, in seinem Schaffen voll und ganz aufgegangen ist. Wie populär Karl May letztlich immernoch ist, wenn auch mehr auf eine transponierte Art und Weise, läßt sich vielleicht an der Popularität von "Der Schuh des Manitu" erahnen.
In meinem Abendvortrag bot Karl May einen vorzüglichen Aufhänger, um über das Indianerklischee in seiner ganzen Mannigfaltigkeit einzugehen, von dem nomenklatorischen Irrtum, sie hätten "Büffel" gejagt, bis hin zum Mythos des je nach Sichtweise besonders "edlen" oder "grausamen" Wilden und Naturfreund qua Existenz. Dazu gehörte dann auch ein Abriß der Entwicklungsgeschichte des Indianerfilms, von den Western der 50er Jahre bis hin zu eben dem "Schuh des Manitu" udn der aufwändigen Serie "Into the West". Ein kleiner Bericht findet sich auch auf den Seiten der Stadtbücherei.
Ein alter Irrtum an die Wand geworfen: Büffel und Bison im Vergleich.
Für Kinder bewährte sich am Nachmittag auch hier wieder die kombinierte Mitmach-Lesung zum Thema Indianerspiele. Wie viel Spannung und Spaß mit einfachsten Mitteln erlebt werden kann, ganz ohne Spielwarenladen und Plastikspielzeug, gerade, wenn es sich vielleicht noch um aus Holz und Leder selbst gebasteltes Spielzeug handelt -- das bewiesen sowohl diese Lesung, als auch die Pfeil-und-Zielscheiben-Workshops an mehreren Schulen. Ein einfaches Tuch erstetzt da ohne Weiteres den schwergewichtigen Computer.
Womit jagten die Indianer die riesigen Bisons? Ein moderner Sportpfeil und nachgebaute Reliken bei der Lesung zu "Indianer-Spiele".
Einige Spiele ⇒ gibt
es zum freien Download als PDF hier; das Buch "Indianer-Spiele" mit
rund 120 Spielen ⇒ findet
sich hier.
Über meine große thematische Bandbreite an Lesungen
und Vorträgen informieren ⇒ meine
Vortrags-Infomappe und die ⇒ Leseinformation.
*) Klaus Farin: Karl May. Ein Popstar aus Sachsen, Archiv der Jugendkulturen 2012, Ablichtung des Originalschreibens, S. 85
11/05/12
"Wir sind die Urheber"
"Wir sind die Urheber" ist die Webseite eines Aufrufs betitelt, den rund 1.500 Autorinnen und Autoren unterzeichnet haben.
Bis ich mich ausführlicher dazu zu äußern Gelegenheit habe, stelle ich erst einmal fest:
Ich nicht.
Ich veröffentliche seit über 15 Jahren praktisch jährlich Romane und Sachbücher und verdiene damit mein Brot. Ich habe eine Autorenvereinigung ins Leben gerufen, auch um sukzessive unsere Position, die der Autoren, durch Austausch zu stärken.
Aber mit einem solchen Aufruf der Verallgemeinerung ("Geistiges
Eigentum") und Spitzen ("Die neuen Realitäten [...] des
Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu
rechtfertigen") möchte ich wahrlich nicht in Verbindung gebracht
werden. Gerade ein literarisch und reflektiert Tätiger sollte sich doch
eines gewissen Anspruchs schuldig sein.
Nein, ich bin kein Anhänger
der Piraten. Nein, ich bin kein Anhänger von "Leistung für umsonst". Gerade
darum ist mir an einer differenzierten Betrachtung auch dieses
Sachverhalts gelegen, und der besagte Aufruf tut das Gegenteil.
Zumal: Wir, die Autoren, haben beileibe hinreichend andere Schauplätze, an denen wir für unsere (aber eben: unsere!) Rechte kämpfen sollten. Wieder Tantiemen vom Laden- statt Verlagsabgabepreis zum Beispiel. Gegen die Verflachung der Qualität und Vielfalt, ja der literarischen Freiheit dank schubladenartiger Programmpolitik auf reinen Gewinn gepolter Verlagskonglomerate und ignoranter Buchhandelsketten, zum Beispiel. Und und und. Da gibt es allerdings keine schönen und griffigen Schlagworte, dies sind komplexe und wenig populäre Problemlagen.
Aber dieses Pamphlet eines Literaturagenten? Macht uns eher lächerlich.
Da
hilft auch kein Kehlmann, kein Nadolny, kein Denis Scheck, kein Wallraff
und keine Hoppe (wie um alles in der Welt können sie nur?)
als Unterzeichner.
Mehr dazu findet sich im LawBlog oder als Meinungsbeitrag SpOn.
08/05/12
Jugger-Regelwerk, Fassung 3.0
Dieser Beitrag findet sich auch im Jugger-Blog.
Die
zweite Abstimmung über Änderungen am Jugger-Regelwerk ist am Wochenende
mit dem Ende der Beta-Phase abgeschlossen worden. Das fortan gültige Regelwerk
Fassung 3.0 findet sich wie immer unter Regeln bei jugger.org.
Diese
Regelabstimmung ist auch für mich eine besondere Sache gewesen: Sie ist
meine letzte "Amtshandlung" als Hüter und Bewahrer des Hauptregelwerks
der deutschen Jugger-Gemeinschaft. Grund genug, einen Blick zurück zu
werfen.
Item. Änderungen. Kommentar des Hüters
Insgesamt konnten sich überwiegend jene Dinge durchsetzen, die bereits seit einiger Zeit mehr oder weniger Usus sind, oder die Sachverhalte klären.
Segmentum I. Einige wichtige Änderungen (nicht vollständig)
Kettentreffer
Zwei Dinge ändern sich für Kettenspieler:
1.
Die Wicklung: Anstelle einen Knicks von 90°, was, weil im Spiel sehr
schwer zu erkennen, seit Langem Stein des Anstoßes ist, zählt nun neben
dem Balltreffernur noch die Wicklung der Kette als Treffer: Die Kette
muß so weit um eine Trefferzone herumschwingen, daß sie wieder zu sich
selbst zurückreicht: Also eine geschlosene Form bildet. Die Einschätzung
von "L"s und "U"s sind damit nicht mehr notwendig. M. E. eine das Spiel
eindeutiger machende Regelung.
2. Das Fangen der Kette mit einer
Pompfe. Sobald die Kette um eien Pompfe eine geschlossene Form gebildet
hat, gilt sie als "gefangen" und der Fänger ist auch dann nicht
abgeschlagen, wenn sie beim weiteren um-die-Pompfe-Schwingen den Fänger
trifft. Bislang konnte ein Spieler durch eine um seine Pomfpe
schwingende Kette bis zuletzt noch abgeschlagen werden.
Berliner Aufstehregel
Die in der Praxis wohl deutlichste
Änderung ist die Übernahme der "Berliner Aufstehregel". Mit hauchdünner
Mehrheit wurde sie gewählt. Ob es hier im weiteren Verlauf zur
Abwandlung des "Hand auf den Rücken" aus Sicherheitsgründen zu anderen
Formulierungen ("Oberkörper" oder dergleichen) kommen wird, wird sich
finden. Nach unserer vieljährigen Erfahrung hat diese Regel die
Diskussionen um das Aufstehen praktisch beendet. Zugleich kam es auch
nicht zu "Dauerdoppeln", wie sie in der Regeldiskussion befürchtet
worden sind. Angemerkt sei noch, daß nun das Aufstehen nach dem Pin mit
dem nächsten erklingenden Taktschlag eindeutig definiert wurde.
Schlagflächenpolsterung
Die Dicke der Schlagflächen
(nicht Blockflächen-) - Polsterung ist nun klar geregelt. Was bisher bei
Pompfenchecks wohl gang und gäbe war, ist damit festgeschrieben: Der
Kernstab darf bei moderatem Daumendruck nicht spürbar sein. Die
Unschärfe in der Formulierung ("moderat") gemahnt, wie ich finde sehr
sinnvoll, an den gesunden Menschenverstand. Kritikpunkt kann hier
allerdings sein, daß die Polsterung der Blockfläche nicht näher
beschrieben wird.
Sonstige Polsterung
Auch die Frage nach der Polsterung des
Griffendes ist gut gelöst worden. Dies verpflichtet auch keinesfalls zum
Anbringen eines klobigen Knaufes; ein Stück Evazote und sicherndes Leder
genügt, um das Kernstabende am Griff nicht mehr spürbar zu machen und
zugleich den Griff auch am Ende stabil genug zu gestalten. Es sei daran
erinnert, daß bereits in der alten Fassung Manschetten zur Begrenzung
der Griffläche bei Stab und Q-Tip vorgeschrieben waren, um die
Reichweite effektiv zu begrenzen.
Autorität der Schiedsrichter
Der Willen der Teams ist
durch eine weitere Formulierung gestärkt worden, die explizit besagt,
daß nicht im Regelwerk definierte zu regelnde Umstände als erstes
zwischen den Teams geklärt werden müssen. Es kam in der jüngeren
Vergangenheit öfters vor, daß Schiedsrichter übereifrig ins Spiel
eingegriffen haben und dadurch eher Unmut geschürt, denn den
Spielverlauf positiv befördert hatten. Nun ist ein weiterer Hinweis
enthalten, daß in erster Linie die Teams miteinander sprechen müssen.
Das ist, so denke ich, ohnehin der beste Weg, um Mißstimmungen
auszuräumen. Vom Mangel an wirklich sowohl kompetenten, als auch
weitsichtigen Schiedsrichtern ganz zu schweigen.
Segmentum II. Neue Fragen
Ein paar Punkte werden noch nachträglicher Klärung bedürfen. Hier zeigt sich aber zugleich, daß ein allzu exaktes festhalten an Regeln der Sache abträglich ist: Im Gegensatz zu Maschinen besitzen wir einen Verstand, und den sollten wir auch benutzen. Ein solcher Punkt ist die neue Detaillierung der Stechspitzen. Diese ausführliche Liste wurde en bloc eingereicht und bekam Zustimmung.
Spitzenpolsterung
Gut und richtig gemeint, aber für
Präzisionisten nicht umsetzbar ist eine Formulierung: Nämlich, daß der
Kernstab bei "jedem erdenklichen Druck" nicht durchstoßen darf. Ab einem
gewissen Druck wird der Kernstab durch jede Polsterung stoßen, und wenn
dafür ein Elefant um Hilfe gebeten werden muß. Ein Detail, das in der
Praxis nicht weiter relevant sein dürfte, jedoch die Präzisen gewiß
stören wird.
Item. Die Geschichte des Regelwerks und seiner Betreuer.
Segmentum I. Ursprünge
Während die Umsetzung von Jugger als spielbarer Sport laut eines
Zeitzeugen auf das Jahr 1992 (Berlin) und gemäß einer Reihe von
Teilnehmern auf das Jahr 1993/94 (Dilettanten/Hamburg-Heidelberg)
zurückgeht*, ist nach meiner Kenntnis die erste Schriftquelle mit dem
mehrseitigen Hamburger Regelwerk aus dem Jahre 1997 erhalten. Von 1998
ist eine zweiseitige Berliner Regelzusammenfassung überliefert.
Die
Jugger-Gemeinschaft begann etwa um die Jahrtausendwende herum stark zu
wachsen. Damit Wettkämpfe gegeneinander ausgetragen werden konnten, war
ein gemeinsames Regelwerk vonnöten – aber die unterschiedlichen
Entwicklungsströmungen konnten sich augenscheinlich nicht so recht auf
eine Fassung einigen. So bestanden mehrere "Hausregeln", beispielsweise
die Kettentreffer-Strafzeit von 8 bzw. 10 Steinen nach Berliner bzw.
Hamburger Spielart (die Berliner Strafzeit war die als offiziell im
Regelwerk allgemeingültig eingetragene).
Es scheint überwiegend
jene Fassung genutzt worden zu sein,die auf der seinerzeit bekanntesten
und ausführlichsten Internetseite über Jugger zu finden war, die auf
jugger.de. An diesem Regelwerk hatten laut Zeitzeugenaussage* auch die
verschiedenen Fraktionen mitgewirkt.
Segmentum II. Die pragmatische Überarbeitung
Nach dem Hochkochen der Spannungen zwischen den verschiedenen Fraktionen
und ellenlangen, teilweise sehr hitzig geführten Diskussionen im
damaligen gemeinsamen Diskussionsforum, das seinerzeit noch vom
Bayrischen Team Drachenblut betrieben wurde, startete um 2006/2007
mutmaßlich der Hamburger Spieler Askan die Initiative, eine
grundsätzliche Überarbeitung der jugger.de-Fassung des Regelwerks
vorzunehmen, um eine wirklich gemeinsame Basis zu erhalten. Ausführlich
wurden einzelne Regeln diskutiert und zerlegt, interpretiert und
umformuliert. Jakob von damals noch Rigor Mortis Berlin, heute
Zonenkinder Jena übernahm die Einarbeitung dessen, was im Forum als
Konsens gefunden worden war.
Hier zeigte sich allerdings bereits die
Schwäche der Online-Diskussionsforen: Was genau Konsens war, was
mehrheitsfähig und was einfach nur oft genug geschrieben war, war
schwierig nachzuvollziehen. Aber immerhin gab es nun das erste
Jugger-Regelwerk, das wenigstens von den engagierteren Vertretern des
Sports durchdiskutiert worden war. Nicht perfekt, aber ein wichtiger
Schritt; auch hinsichtlich der Abkühlung historischer Konflikte, da
sowohl Berlin, als auch Hamburg/Heidelberg etc. daran mitgewirkt hatten.
Da
ich selber bereits im Drachenblut-Forum vermittelnd auf die Disputanten
einzuwirken versucht und beide Seiten für die Recherchen des ersten
Jugger-Buchs gehört hatte, war ich bereits mit der komplizierten
Sachlage vertraut und erbot mich, eine erste Rechtschreibkorrektur und
Formatierung des Regelwerks vorzunehmen, worin es orthographisch
allerdings dermaßen wild zuging, daß es einige Versionen brauchte, bis
eine weitlichst fehlerfreie Fassung erzeugt war (Korrektorat ist nicht
zuletzt eine Frage des möglichen Zeitaufwands). Dadurch rutschte ich
unvermittelt in die Rolle des Hüters des Regelwerks -- oder
"Regelbewahrers" -- hinein, sicherlich auch deswegen, da ich durch den
Hamburg-Berlinischen Konflikt vergleichsweise unvorbelastet war.
Segmentum III. Problem: Der Mangel an demokratischer Partizipation
Nun war dieser Zustand sicherlich besser als die Urfassungen. Aber er
war unbefriedigend, denn ich war rein durch mein Engagement in diese
Rolle gerutscht, ohne daß es eine demokratische Legitimation gegeben
hätte, ganz wie es bei der Überarbeitung des Regelwerks der Fall gewesen
war: Es handelte sich nur um eine Art stillschweigender Übereinkunft.
Das
Hauptproblem aber war, daß es gar keine auch nur annähernd demokratisch
strukturierte Instanz gab. Da war letztlich nur ein Diskussionsforum,
und wer sich mit Meinungsbildung bei diesem Medium auseinandergesetzt
hat, der weiß, daß es als Instrument zur wirklichen Konsensfindung einer
größeren Gemeinschaft schlicht versagt. Es werden die gehört, die am
meisten, am lautesten, am eindringlichsten, am gewieftesten, am
dramatischsten schreiben; hingegen werden ausgerechnet jene schnell
ignoriert, die zwar Sachverstand und Kompetenz besitzen, aber keine Zeit
oder kein Gespür für Online-Foren haben. Diskussionen beginnen sich im
Kreis zu drehen, Positionen verhärten sich, und die Maschine kommt zum
Stillstand.
Es war also nicht möglich, wirklich legitime Änderungen
am Regelwerk vorzunehmen. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich auf
das Ausmerzen von Widersprüchen und offensichtlichen Fehlern zu
beschränken und für die Transparenz der Sache eine Änderungstabelle zu
führen, in der jeder Änderungsvorgang verzeichnet ist.
Segmentum IV. Der Weg der Mitbestimmung: Die erste Abstimmung
2009 wurde das ganze mit dem Anwachsen der Gemeinschaft virulent. Die
Übergabe des Regelwerks in die Hände eines Ausschusses kam nicht in
Frage, da es keinen Ausschuß gab, der über die erforderliche Legitimität
und Anerkennung für diese tiefgreifende Aufgabe verfügt hätte. Wer die
Diskussionen um Liga-Gremium und Verband kennt, weiß, wie umstritten
Strukturbildungen in der Gemeinschaft immernoch sind.
Es mußte also
ein anderes Verfahren her. Schließlich brachte Hahn von den Heidelberg
Hobbiz einen Vorschlag ein, wie eine Abstimmung vonstatten gehen könnte.
Dieser Vorschlag wurde im neuen gemeinsamen Forum ausführlich
diskutiert. Schließlich kam ein Verfahren dabei heraus, das aufwändig,
aber möglichst transparent und in viele kleine Einzelschritte gegliedert
war, und das alle aktiveren Teams mit einbezog. Natürlich ist der Passus
"aktivere Teams" bereits eine Sollbruchstelle, jedoch wurde hier die
Meßlatte mit 3 Turnieren so tief gehängt, daß die meisten Aktiven
tatsächlich auch dabei sein konnten. Es war ein erster Versuch, und wie
ich meine, ein ziemlich vielversprechender: So wurde gemeinsam die
Überarbeitung des Regelwerks in Angriff genommen.
Zuerst wurden
Vorschläge gesammelt, dann Mails an alle qualifizierten Teams versendet,
damit auch jene, die nicht im Forum aktiv waren (uns ein besonderes
Anliegen), erreicht würden; nach einer Diskussionsfrist wurden die
abstimmfertigen Vorschläge gesammelt und Stimmzettel wurden erstellt,
als einfacher Mailtext mit eckigen Klammern bei den Optionen zum
Ankreuzen. Wiederum nach einer Frist wurde der Rücklauf ausgezählt, und
zwar von Hahn und mir getrennt.
Eine weitere Sicherheitsleine sollte
das Verfahren selber legitimieren: Würden weniger als 75% aller
angeschriebenen und als aktiv bekannten Teams einen Stimmzettel
schicken, würde das Verfahren als nicht funktionsfähig abgebrochen
werden. Leider krankt die Juggergemeinschaft daran, daß viele Teams
recht träge sind und immer wieder erinnert werden mußten. Es ist zwar
leicht, nach Demokratie und Mitbestimmung zu rufen, aber für einige ist
es dann offenbar zu schwer, die damit verbundene Pflicht zur Mitwirkung
– in Gestalt einfacher rechtzeitiger Rücksendung – einzuhalten. Ein
konsumistisches Grundübel des Menschen, nehme ich an: Die Bequemlichkeit.
Jedenfalls
kamen schließlich genügend Stimmen zusammen, damit die Wahl Gültigkeit
erhielt. Die gewählten Regeländerungen wurden eingearbeitet und neben
allen Stimmzetteln auch die Alpha-Fassung online gestellt, die in einem
letzten Schritt von der Gemeinschaft überprüft werden konnte. Als
Nachteil erwies sich, daß Formulierungen 1:1 in die Stimmzettel
übernommen wurden, da nun bei mehreren sehr ähnlich klingenden
Formulierungen auch solche Punkte durch Streuung der Stimmen nicht
gewählt wurden, die an sich von einer Mehrheit befürwortet wurden. Erst
jetzt, nach der Kontrolldurchsicht, ersetzte die Fassung 2 die vor der
Wahl gültige, letzte Fassung des Regelwerks.
Segmentum V. Die zweite Regelabstimmung
2011/12 wurde das Verfahren wiederholt, auch da sich niemand um die
Ausarbeitung eines besseren Verfahrens bemüht und das alte sich nach
unserer Meinung und auch mangels Kritik eben bewährt hatte. Zwei Dinge
waren anders: Wir behielten uns vor, Formulierungen aufzusplitten, damit
sich nicht zu viele ähnliche Optionen blockierten, was auch ohne Kritik
akzeptiert wurde; wo genügend Stimmen für eine Änderung hereinkamen,
jedoch zu wenige pro ähnlicher Änderungsformulierung, schlossen wir eine
Stichwahl an. Außerdem ich stellte mein Amt als Hüter des Regelwerks zur
Wahl. Leider fand sich kein Kandidat für meine Nachfolge, und so wird
Hahn das Regelwerk kommissarisch weiterbetreuen und hat bereits Zuspruch
von meiner Ansicht nach kompetenten Spielern, ihn dabei zu unterstützen.
Da
zum Ablauf der Abgabefrist noch ein Stimmzettel zum Erreichen der
erforderlichen 75% fehlte, beschlossen wir, den Termin um einige Tage zu
verlängern; ein Umstand, der uns von einer Person zwar vorgeworfen wurde
(wir würden Spielchen spielen), hinter dem wir aber mit gutem Gewissen
stehen können, da wir weder Stimmen manipuliert haben (und auch den
Abstimmungsstand zu dem Zeitpunkt noch nicht kannten) noch da Verfahren
übermäßig strapazierten; es wurde schlicht den trägeren Teams
ermöglicht, ihr Stimmrecht noch wahrzunehmen.
Die Alternative
wäre gewesen, trotz fast 75% Beteiligung das gesamte, höchst aufwändige
Verfahren, in das viele viel zeit investiert hatten, komplett
aufzulösen. Dies hielt (und halte) ich für nicht verhältnismäßig: So
viel Pragmatik muß sein; wir leben nun einmal in keiner idealen Welt.
Segmentum VI. Schlußwort
Mit der Veröffentlichung von Fassung 3.0 des Juggerregelwerks übergebe ich hiermit den Staffelstab an Hahn. Bleibt mir nur noch, ihm Erfolg und gute Vermittlung zu wünschen; und der Gemeinschaft, daß sie nicht der Versuchung erliegt, jede nur denkbare Regelfuchserei auszuschließen und sich damit durch endlose Paragraphen ihr eigenes Gefängnis aufzubauen. Jugger lebt von Fairness und Offenheit, und diese menschlichen Züge lasen sich nicht durch Gesetzestexte erzwingen. Sie müssen aus uns selber heraus wirken.
Es verabschiedet sich mit einem fröhlichen Huhu und Kiää
der Uhu
Schild des Teams Falco
jugger
Item. Download
Das aktuelle Regelwerk findet sich wie immer unter http://jugger.org, ebenso wie alle Fassungen seit 2007 und einige Urfassungen.
*) Siehe Wickenhäuser, Jugger. Der Endzeit-Sport, Archiv der Jugendkulturen 2010, S. 27 ff. und einzelne Interviews, sowie "Jugger-Historie"
**) Lt. digitaler Dokumente der HH/HE-Fraktion im Besitz des Verf.
03/05/12
6. Berliner Juggerpokal, Falken im Aufwind
Item. Der 6. Berliner Juggerpokal 2012
Segmentum 1. Das Turnier.
Das erste Turnier unserer
Saison war zugleich das wohl heißeste Wochenende des bisherigen
Frühjahrs. Zu dem Turnier, das einst als lokales Saisonauftraktturnier
gestartet worden war, erschienen 24 Teams, darunter auch aus Halle,
Cottbus, Greifswald, Rotenburg an der Fulda, Hannover und Hamburg. Als
Spielfeld diente der bewährte Jahn-Sportpark, wo vier Felder
eingerichtet werden konnten.
Die Teams wurden in vier Gruppen gelost, die je ein Feld während der
gesamten Vorrunde für sich bespielten. Dazu gab es ein Kinderturnier für
den Nachwuchs. Das Prinzip der festen Feldzuteilung machte sich positiv
durch eine reibungslose Spielfolge bemerkbar; jede Gruppe organisierte
ihre Spiele anhand eines Laufzettels selbst. Auch sonst war die Stimmung
gut. Es gab viele starke Spiele.
Sicher lag das auch daran, daß dank der großartigen Organisation Die
Tafel Berge von Äpfeln, Orangen, Ananas, Tomaten, Gurken, Joghurts
und Puddings, Wurst, Schinken und Käse ihren Weg in das Verpflegungszelt
fanden. Es ist aber zugleich bedrückend, zu sehen, welche Unmengen
erstklassiger Lebensmittel weggeworfen worden wären, wären sie nicht der
Tafel -- und damit auch uns -- zur Verfügung gestellt worden. Wer den
Zynismus der Überflußgesellschaft begreifbar erleben möchte, möge sich
ansehen, was alles für den Weg in die Mülltonne vorgesehen ist.
Die
Ergebnisse finden
sich im JTR.
Segmentum 2. Kritik.
Daß ein de-facto-Kinderteam in einer Gruppe mitspielte, weil es zu alt für das Kinderturnier gewesen war, war ein verschmerzbarer Nachteil für die Erwachsenen; wenngleich das Wertungssystem ein "Punkte-Erjagen" bevorzugte und somit eine langsamere Spielweise gegen die Kleinen bestrafte. Um so ehrenwerter, wer dennoch auf ein reines Turbopunkten verzichtete. Zumal es sich ja für die Erwachsenen um einen sicheren Sieg handelte.
Unmut kam dadurch auf, daß sowohl GAG als auch Rigor Mortis mit zwei Teams antraten. Mangels Absprache entstand bei einigen Spielern der Eindruck, hier solle von den Teams "optimiert" werden. Der Stimmung konnte dies bei den meisten aber keinen Abbruch tun.
Doppel-Teams scheinen eine recht neue Entwicklung zu sein; inwieweit das
Phänomen auf die Torpedo-Teams aus Hamburg in der Vergangenheit zutraf,
sei dahingestellt (infos dazu können hier gern ergänzt werden*), GAG
praktizierte es jedenfalls auf den Freundschaftlichen Winterspielen. Der
Umstand führte nun auch zu
einer Diskussion im bundesweiten Forum.
*) Ergänzung zu
Torpedo Hamburg: Askan schrieb, die Torpedo-Teams traten mit
getrennten Spielerpools an, hier liegt also nur Namensähnlichkeit vor.
Item. Falco jugger
Der Sonntag brachte ein sehr erfreuliches Halbfinale: Zwar mußten
die Falken mit Rigor II wieder gegen ein Berliner Team antreten, zudem
eines, gegen dessen Schwestermannschaft sie bereits am Vortag das erste
Spiel gehabt hatten; aber nach der ersten Halbzeit lag Falco mit 8:1 (exakte
Erinnerung zu verifizieren) in Führung. Als zur zweiten Halbzeit,
nachdem ihr anderes Spiel beendet war, zwei Topspieler des
Schwesterteams Rigor hinzueilten, mußten die Falken zwar einige Punkte
hinnehmen, gewannen aber dennoch souverän mit 12:8 (exakte
Erinnerung zu verifizieren) gegen Rigor Mortis II.
Das Kleine Finale gegen die Leere Menge wurde ein atemberaubend spannendes Spiel. Der erste Punkt des 300-Steine-Spiels allein dauerte 40 Steine. Und weiter ging es mit einer Kopf-an-Kopf-Jagd, wie sie Falco sich im vergangenen Jahr mehrfach mit Skúll! geliefert hatte. Letztlich verpasste Falco um einen halben Stein (keine Sekunde also) den Ausgleich und verlor das Spiel haarscharf 9:10. In dem Zusammenhang nochmal unser ausdrücklicher Dank an Die Leere Menge für diesen spannenden, fairen und erfrischenden Wettkampf. Wir sehen uns wieder.
Falco jugger baumt damit zu Saisonstart in einem angenehmen 4. Platz von
24 teilnehmenden Teams auf und wetzt schonmal die Schnäbel für den
nächsten Wettkampf.
25/04/12
Erfrischend souverän
Diese Reaktion auf seine doch nicht eben schmeichelhafte Ablichtung auf der Titelseite "Avanti Dilettanti. Wie die Piraten Politik versuchen" des ehemaligen Sturmgeschützes der Demokratie (seit Jahrzehnten nun schon eher ein Partyböller des Boulevards) ist so erfrischend souverän, daß sie ein Zitat wert ist. Im Interview mit der Süddeutschen sagt der Abgebildete Gregory Engels, Ko-Vorsitzender des Dachverbandes der Piraten international, dazu:
"Vom journalistischen Standpunkt aus gesehen ist es ein gutes Foto. Es passt sehr gut zu dem Artikel. Mir ist völlig bewusst, dass es sich um ein Symbolbild handelt, es mich also nicht persönlich angreift. Für meinen Bauch kann ich jetzt nicht den Spiegel verantwortlich machen. Dass ich abnehmen muss, ist klar." -- weiterlesen
17/04/12
Der Bauzaun ist verschwunden!
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten (sei es der Blick, sei es die Geduld, es sind ihrer im Allgemeinen mehr, als so mancher glauben mag): Der Bauzaun, der seit Mai 2007, über knapp 5 Jahre Jahre hinweg den schönen Mauerweg – welch Ironie – vergitterte, ist nun verschwunden. Über die Sache und einige Protestaktionen wurde berichtet: Mauergedenken der besonderen Art, Protestschilder, Offener Brief, Schwund eines ersten Zaunabschnitts auf Neuköllner Seite.
Das Schiffahrtsamt hat in seinem aktuellen, 117. Newsletter (PDF) die Maßnahmen, ihre Ursachen und den Grund für den Rückbau ausführlich beschrieben
Und nun, endlich: Luft! Freier Blick ohne Zaun. Pünktlich zur
Kirschblüte.
13/04/12
11/04/12
Kleine Aufgaben-Zeichen für Jugger
Für die Webseite, oder als Ausstattung für Trikots kann das
Anbringen von kleinen Juggersymbolen vielleicht reizvoll sein.
Läufer, Pompfer, Kette; Captain, Teamchef, Juggermaster; Baumeister
und Schrankträger/Archivar. Siehe auch Jugger-Wiki.
(cc) nc-by 3.0, uhu 2012
Diese kleinen Symbole können für
Schul-AGs sicher ein interessanter Weg sein, die Verantwortlichkeiten im
Team ins Gedächtnis zu rufen (wer ist für den Pomfpenbau zuständig, wer
kümmert sich fürs Team um die Spielzeiten auf einem Turnier ...), ebenso
aber für gewöhnliche Sportteams.
Ein solches Symbol ist
auch eine Auszeichnung: Ich, der Träger, übernehme die Verantwortung
für diese Aufgabe; ich, der Träger, zeige offen, daß ich Ansprechpartner
für Probleme, Forderungen und Fragen zu diesem Gebiet bin. Ich kümmere
mich.
Interessant ist auch die Anbringung der Teamaufgaben-Symbole auf Hals- oder Kopftüchern, die dann bei der Übergabe der Aufgabe entsprechend zum neuen Verantwortungsträger weitergereicht werden. Bei der Schul-AG Falcones44 hatte sich dieses System bewährt. Der Baumeister beispielsweise wurde von seinen Kameraden schneller angesprochen als zuvor, wenn es Fragen zum Pompfenzustand gab, und kümmerte sich selber um die Kontrolle der Spielgeräte.
SVGs werden noch bei Gelegenheit aus den Symbolen generiert.
Lizenz: (cc) nc-by Uhu. Wenn (by) möglich dann bitte mit Backlink auf den Uhu. Ich freue mich über eine Notiz bei Verwendung!
10/04/12
Über Grass
Daß nach dem Gedicht von Günter Grass die üblichen Verdächtigen
lautstarke Empörung aus dem Jackett ziehen, war so abzusehen wie es
irrelevant ist. Wohlgemerkt: Es gibt durchaus gewichtige Kritiker, und
es gibt gewiß auch berechtigte Kritik am Gedicht des Nobelpreisträgers.
Und natürlich wird die Debatte auch von den realen Antisemiten
instrumentalisiert werden. Aber ausgerechnet Grass Antisemitismus
vorzuwerfen, ist schlicht ausnehmend töricht, passt aber ins
rechtskonservative Beißschema.
Wo die Empörung groß ist, ist es ratsam, erst einmal verschiedenen Stimmen Gehör zu schenken. Und so sei hier verwiesen auf die Aussage des israelische Autors Uri Avnery: ""Es ist antisemitisch, darauf zu bestehen, dass Israel in Deutschland nicht kritisiert werden darf";
sowie auf den Beitrag in der Zeitung Haaretz, "Israelis can be angry with Gunter Grass, but they must listen to him":
"Grass indeed went a few steps too far (and too mendaciously ) - Israel will not destroy the Iranian people - and for that he will be punished, in his own country and in Israel. But in precisely the same way the poem's nine stanzas lost a sense of proportion in terms of their judgment of Israel, so too the angry responses to it suffer from exaggeration."
Auch Alfred Grosser äußert sich in einem Interview in der SZ zu Grass und zu der Unwürdigkeit vieler Kritik an Grass, darunter mit einer Aussage, die ein bezeichnendes Licht auf die Bigotterie unserer Medien und ihrer geliebten Lichtgestalten wirft:
"Meine vier Großeltern und meine Eltern sind Juden und es hieß dann, meine Kritik sei jüdischer Selbsthass. Da habe ich gesagt, dass ich mich selbst viel zu sehr liebe, als dass ich Selbsthass empfinden könnte. Ich bin jedenfalls weniger angegriffen worden damals, außer von Henryk M. Broder, aber Broder greift alles an, was herumläuft."
Eine Haizinger-Karikatur dazu findet sich zudem in der Rhein-Zeitung.
Und zu guter Letzt, nicht so ganz unwichtig, kommt der Autor selber zu Wort, in 3sat Kulturzeit (ohne zeitgemäß-unsägliche Moderatorenpuppen).
03/04/12
Flieg, Falke!
Es wird Sommer!
... und die Falken kommen aus ihren Felsnischen ...
Auf
THF hat der Jugger
e. V. nun auch eine Hinweistafel an seinen Trainingsort gestellt
bekommen. So sehen die neugierigen Passanten endlich, was da eigentlich
gemacht wird... 
Photos: (cc) nd nc by
3.0 Uhu, oberes aufgenommen von Linus
02/04/12
Warum die Piraten wählbar seien: Aus Liebe zur Demokratie
Nach reichlicher und berechtigter Kritik an der Piratenpartei, mit
ihren jüngsten Kapriolen in Gestalt einer Landesvorsitzenden
im Saarland mit so vielschichtiger Vergangenheit wie kolportiert
befremdlichen Äußerungen (hier mag man sogar dem
Magazin Cicero seine Völlerei nicht verdenken),
ist angesichts der etwas ... ungenauen ... Beißfreudigkeit unserer Journaille etwas Positives zu schreiben mehr als angebracht – die FAZ zerreißt den Cicero-Artikel mit einigen stichhaltigen Hinweisen auf mangelnde Recherche.
Daher hier der Hinweis auf einen klugen Beitrag eines piratenkritischen Blogschreibers, der die Piraten als ungleich wählbarer als die Linkspartei – geschweige denn die Etablierten – schildert, weil sie seiner Ansicht nach die Liebe zur Demokratie verkörpern und dabei eine überfällige positive, und eben nicht destruktive, Demokratiedebatte befördern. Er führt dort duchaus bedenkenswerte Punkte an.
Und so ganz unrecht hat er nicht, denn wurde nicht immer gefordert, die Jugend müsse politisch wieder engagierter sein? Nun ist sie es, und das hat, bei allen kindischen und pubertären Auswüchsen, durchaus höchst spannende Seiten in Bezug auf unseren reichlich selbstgefälligen Demokratiebetrieb.
30/03/12
Eine treffende Stellungnahme: Der CCC zu Urheberrecht und Rechteverwertung
Mit Erstaunen habe ich die Antwort des CCC auf eine Verlautbarung der TATORT-Drehbuchautoren gelesen.
Mit Erstaunen deshalb, weil diese Stellungnahme den Kern der Sache nach meinem Empfinden sehr gut trifft. Und das, obwohl sie ausgerechnet von den sogenannten und gern – wenn auch durchaus oft nicht ganz zu Unrecht – stigmatisierten "Nerds" stammt. Das Flapsige im Tonfall lohnt sich da zu überlesen.
Auszug: "Das Tragische (im griechischen Sinne) ist doch, daß wir beide Opfer des Verwertungssystems sind. Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, daß weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal."
Angesichts eher einseitg-polemischer Kommentare bis hinein in den Deutschlandfunk ein durchaus wichtiges Stück Information für eine kritische Ausinandersetzung – gerade Schriftsteller sollten sich schließlich nicht vor den Karren ganz anderer Inetressengruppen spannen lassen.
Jedem Autor und jeder Autorin, ob Print oder Drehbuch, sei die Lektüre dieser Stellungnahme ans Herz gelegt. Sie fördert das kritische Denken. Ergänzend dazu bietet sich die Lektüre der von Autorenvereinigungen wie dem SYNDIKAT angestoßenen Erklärungen (an der sich auch Quo vadis beteiligt hat) an, die durchaus bedenkenswerte Punkte enthalten.
27/03/12
Hessischer Präventionspreis geht an Jugger-Projekt Rotenburg
Der 1. Preis des 8. Hessischen Präventionswettbewerbs ist an das
Projekt „Juggern statt Prügeln“ des
Präventionsrats der Stadt Rotenburg a. d. Fulda vergeben worden. Der
Präventionspreis ist eine begehrte Auszeichnung, die vom
Landespräventionsrat nur nach eingehender Prüfung des Bewerberprojekts
vergeben wird.
Seit einiger Zeit wird in Rotenburg mit beachtlicher
Energie ein
Jugger-Projekt durchgeführt, für das sich wohl sogar der
Bürgermeister gewinnen ließ. Eine solche Auszeichnung ist natürlich ein
schöner Ansporn für die Initiatoren des Projekts und Lohn für ihre
unermüdliche Arbeit; und seine finanzielle Förderspritze ist eine sicher
willkommene praktische Folge.
Herzlichen Glückwunsch!
Die Rotenburger ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern fordern die anderen Jugger auf den 6. Berliner Juggerpokal Ende April - mit 5 bis 6 Mannschaften (!), darunter Erwachsenen- wie Jugendteams.
Auf Facebook sind die Rotenburger als "Jugger Gemeinde Rotenburg" vertreten.
Die Parallele des Projekttitels zum gleichnamigen Buch ist nicht ganz zufällig, denn dies diente den Durchführenden als wichtige Quelle.Daß das Buch eine solche Auswirkung hat, stimmt mich natürlich froh (auch wenn ich den Titel weiterhin nicht ausstehen kann).
25/03/12
Freiheyt!
Die Winterzeit ist vorbei, der Sommer kommt: Am Sonntag gab es bei strahlendem Sonnenschein ein erstes Training der Saison auf Tempelhof!
Wir trainieren im Allgemeinen
... auf
THF: So (ab 14h), Di, Fr mit dem TSV Rudow
... im
VP F'Hain: Mi, Fr
Änderungen finden sich hier: Jugger
e. V. Trainingszeiten.
Photo cc Uhu
24/03/12
Uhus Spielekiste XV: Star Frontiers (Sternengarde) 30 Years Anniversary
Star Frontiers (dt.: Sternengarde) can proudly claim
to be the first-ever science fiction role playing game ever. Published
in 1982, it is now celebrating its 30th birthday.
Star Frontiers
has the unique charme of pioneer imperfection. The game system is not
even semi-realistic yet simple, straightforward and provides lots of
fun. Nothing for people seeking perfection, yet just the thing for those
interested in stunning stories and fast-paced adventures. With the
expansion Knight Hawks, full-grown spacefights between fleets of
fighters, cruisers and even battleships can take place on a huge map,
with ships and ordinance shown by little printed paper tokens.
The players of the past have grow older, have families and jobs – even
up to a holder of a Ph.D in Astronomy working for a high energy
astronomical observatory (Fermi), contractor of NASA . Yet they rejoin
for "birthday games" online and are building a community buzzing with
activites. At starfrontiers.us,
you will not just find a puzzing community and via link all
the rulebooks and adventure modules as PDFs, but also a fully
fledged Star
Frontier Fanzine (SFman) with over 17 issues up to now, still
accelerating.>
You will also find an editable PDF character
sheet, old school, provided and prepared by Clikkclikk.
It is just the one printed on the back of the rulebook, available for
free download at
the Port Loren Library.
The niveau of the forum discussions
in the many topics is quite educated (up to astonomy details on star
physics). This is the place to be, if you would like delve into the good
old times game again!
--
Sternengarde hält den stolzen Titel des ersten Science-Fiction-Rollenspiels. 1982 erschienen, feiert es in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.
Die Spieler von damals sind älter geworden, haben Familie und Jobs –
darunter sogar bei einem Vertragspartner der NASA. Online
haben sich einige nun zusammengeschlossen, um ihrem alten Hobby
wieder zu fröhnen. Hier ist
ein 300dpi-Scan des originalen deutschen Charakterbogens sowie der
Bogen als editierbares PDF in Englisch.
Left:
Knight Hawks space expansion box, with tokens, hexagonal plan, rulebooks
et al.
Right: German version Star Frontiers, 1st edition, with
rulebooks, deck plan and main adventure modules.
17/03/12
Uhus Spielekiste XIV: U-Boot-Jagd, ein 3D-Schiffe versenken
"U-Boot-Jagd" ist nichts weniger als Schiffe versenken
in 3D. Und zwar ganz analog, ohne die Hilfe digitaler Technik.
Die
Regeln sind erstaunlich simpel.
Jeder Spieler besitzt drei Schiffe.
Schnellboot, Zerstörer und Schlachtschiff. Diese besitzen 2, 3 und 4
Löcher, in die weiße Plastikzapfen gesteckt werden: Die Wasserbomben.
Dazu
platziert er je ein U-Boot auf den drei verschiedenen Tiefenebenen 100,
200 und 300m. Ebenso setzt er eine Miene auf 100m. Das Spielfeld ist so
angeordnet, daß der Gegenspieler keinen Einblick in die
Tiefenebenen-Fächer hat und also nicht weiß, wo die U-Boote und die Mine
stehen.
Alle
Spielsteine auf den Tiefenebenen dürfen nach dem Platzieren nicht mehr
bewegt werden. Schiffe hingegen können um 1 Feld pro Runde vom Hafen aus
versetzt werden.
Ist ein Spieler am Zuge, hat er drei Möglichkeiten:
a.)
Ein Schiff um 1 Feld versetzen;
b.) zusätzlich (?) oder
ausschließlich eine Wasserbombe werfen;
c.) einen Torpedo auf
ein Schiff abfeuern, das sich in einer Torpedobahn befindet.
Wirft ein Spieler eine Wasserbombe, fällt diese auf das Feld, auf dem
das Schiff steht (also darunter) und explodiert auf der Tiefe, die der
Spieler ansagt (Schiff zieht auf Feld 12, wirft eine Wasserbombe auf
Feld 12, Spieler gibt an: "Tiefe 100").
Befindet sich auf
dieser Tiefe ein U-Boot in einem der angrenzenden Felder, sagt der
andere Spieler "Nebentreffer", und der Angreifer steckt einen roten
Plastikzapfen in das passende Feld in den schräggestellten Ziel-Fächern
(rechts im Bild). Er weiß jetzt, daß das U-Boot auf Tiefe 100 auf einem
der umliegenden Felder von 12 stehen muß. Fährt er dann in der folgenden
Runde beispielsweise auf Feld 13 und wirft eine weitere Wasserbombe (auf
Feld 13, 100m), und steht hier das U-Boot, wird es aus dem Spiel
genommen und der Angreifer markiert den Treffer mit einem Fähnchen im
Ziel-Fach Tiefe 100. Stand das U-Boot hingegen nicht hier und auch nicht
auf einem angrenzenden Feld, sagt sein Gegenüber "daneben!" und der
Angreifer markiert den Fehlschuss mit einem weißen Zapfen. Für jeden
Wurf wird eine Wasserbombe aus dem Schiffsvorrat (2, 3, oder 4 Zapfen)
genommen. Ein "leeres" Schiff muß in den Hafen zurückkehren und wird
wieder aufgefüllt.
U-Boote können sich wehren, indem sie Torpedos entlang der "Torpedobahnen" schießen. Ob sie treffen, wird mit einer Art Kompass ermittelt, dessen Zeiger man mit einem Schnippen kräftig in Drehung versetzt; weist er schließlich auf eines der beiden schmalen Treffer-Felder, ist das Schiff versenkt. Dafür weiß der Angreifer aber, daß sich auf irgend einer Tiefe auf dieser Bahn ein U-Boot befindet.
Es läuft also darauf hinaus, möglichst schnell gegnerische U-Boote
anzupeilen und selber möglichst sparsam, aber effizient Torpedos zu
feuern. Wessen Schiffe oder U-Boote zuerst alle versenkt wurden, der hat
verloren.
Links: Die Tiefenfächer mit U-Booten und Mine, oben die roten Schiffe
im Hafen; rechts: Schiffe mit weniger Wasserbomben im Einsatz, ganz
rechts die "Ziel-Fächer" mit den Fehlschüssen und Nebentreffern (rot).
Dies ist nun also ein genuines Kriegsspiel, das seine Faszination
sicherlich aus dem U-Boot-Krieg schöpft (bzw. aus Faszination für Filme
wie "Das Boot"). So weit, so moralisch verwerflich; bedenkt man jedoch,
welche Renaissance und welchen Realismus Kriegsspiele im virtuellen
Bereich haben – Panzerschlachten, Kriegseinsätze von Einheiten der
Gegenwart oder des 2. Weltkriegs, die enorme Zahl der "Ballerspiele" –
nimmt sich dieser Brettspielklassiker reichlich harmlos aus. Und im
Endeffekt bleibt er nur eines: Eben die Weiterentwicklung des
"Kriegsspiels" Schiffe versenken. Petri heil möcht
man sagen.
16/03/12
Zustand der öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin
Einen neuen Anstrich könnte S- und U-Bahn Berlin auf Verwaltungsebene
brauchen, wie der
gebeutelte Schockwellenreiter in seiner traditionellen Kolumne schreibt
...
Graffiti an einem Kindergarten in der Urbanstraße, Berlin.
15/03/12
Pfeifen unter sich
Filter-Pfeifen, von links vorne nach rechts:
08/15 Bruyère-Pfeife,
liegt vorzüglich in der Hand, gute Alltagspfeife (nb. die hellere
Holzfarbe), 2 Üvens;
Stanwell Royal Guard, ausgezeichnete Pfeife
für Wanderungen und Spaziergänge, kompakt und gut zu greifen, 3 Üvens;
Vauen
Bruyère (pastenfrei) mit formvollendetem Kopf und maßgeschneidertem
Lese-Mundstück von Pfeifenmacher Nils
Thomsen am Treptower Park, 5 Üvens.
13/03/12
Der nicht ganz so exzellente Dan Brown: "Diabolus"
Dan Brown ist durch die Verfilmung von "Sakrileg" und zuletzt "Illuminati" bei uns noch berühmter geworden, als er es ohnehin schon war.
Er arbeitet gern mit Mysterien und dem Hinweis, daß alles, was er an Ritualen usw. schildere, wahr und wirklich sei. Das schafft einen schönen Nimbus. Leider treten die Lücken seiner Sachkenntnis in seinem auf computergestützte Verschlüsselung abzielenden Buch Diabolus geradezu schmerzhaft hervor.
Bezeichnend ist eine Stelle ziemlich am Anfang des Buches. Der wie üblich hochbegabte Protagonist bekommt während einer Aufführung von seiner Begleiterin, die ihm äußerst zugeneigt ist, einen verschlüsselten Satz gereicht. Dieser lautet:
HBG KHDAD CHBG *
Na, wie lange haben Sie gebraucht, um dieses Meisterwerk der Kryptographie zu entschlüsseln, selbst ohne zu wissen, daß der Satz in Deutsch gehalten ist? Nun, unser genialer Protagonist braucht dafür nicht etwa eine Sekunde (das wäre immerhin anerkennenswert), sondern die gesamte Pause der Nussknacker-Suite.
Fachkundig wie seine Spezialexperten gibt sich der Autor selber leider auch. So fachsimpelt er munter, aber essentiell fehlerhaft, über Verschlüsselung drauflos, stellt als ehrenwerter Amerikaner die Behörde NSA als Weltenretter dar und die Bürgerrechtsorganisation EFF als blinde Steigbügelhalter des Terrorismus, da sie für das Recht auf Datenschutz (per Verschlüsselung) eintreten. Ausführlich verrissen wird das Buch im Kryptographie-Blog.
Sich zu irren ist nur natürlich, künstlerische Freiheiten gehören zu einem Roman, aber was der Autor hier geliefert hat, ist einfach über alle Maßen schmerzhaft. Man fühlt sich da eher an einen Scharlatan erinnert denn an einen Meister des "Faktenthrillers".
*) Diabolus, Bergisch Gladbach 2005, S. 28
Nachtrag: Dazu fügt sich die Meldung über den Bau eines gigantomanischen NSA-Zentrums, das einen großen Teil des sichtbaren wie unsichtbaren weltweiten Datenverkehrs speichern, auswerten udn entschlüsseln soll, vom E-Mailverkehr bis hin zu Bibliotheksausleihen und Strafzetteldaten– dagegen liest sich Browns Büchlein erst recht wie ein Heftchenroman.

Der Uhu führt hier ein Weblog, ist aber gewiß kein "Blogger".






